Schwalbensommer auf dem Campus

33 Schwalbenpaare brüten derzeit auf dem Campus der Universität Konstanz - ganze zehn Paare mehr als noch im Vorjahr. Es handelt sich dabei um Mehlschwalben, eine von vier in Deutschland heimischen Schwalbenarten. Mehlschwalben sind gut an ihrem zweifarbigen Gefieder zu erkennen, das oberseits schwarz mit einem metallisch-blauen Schimmer und unterseits weiß ist. Aufgrund der reinweißen Unterseite dachte man früher, die Schwalben hätten sich in einen Haufen Mehl hineingesetzt, was ihnen ihren Namen einbrachte. Die Vögel bauen Lehmnester, die sie überwiegend an Gebäudewänden befestigen, nehmen aber auch Kunstnester an.
Diese Lehmnester werden oft von Menschenhand rechtswidrig entfernt, weil der Vogelkot als Schmutz an Gebäuden und um diese herum unerwünscht ist. Dadurch stehen immer weniger Brutplätze zur Verfügung. In Kombination mit einem geringeren Nahrungsangebot führt dies zu einem stetigen Rückgang der deutschlandweiten Population - denn das Insektensterben schreitet voran und die Lehmpfützen trocknen aus, aus denen sich Mehlschwalben das Baumaterial für ihre Nester holen.
Um die an der Universität Konstanz brütenden Mehlschwalben gezielt zu fördern und Ausgleichsmaßnahmen zu treffen, wurden an den Fassaden des B- und L-Gebäudes Kunstnester angebracht. Außerdem legte die Hochschulgruppe des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) e.V., unterstützt von Lothar Damaschek (Landesamt Vermögen und Bau), zwei Lehmpfützen auf dem Campus an, aus denen sich die Schwalben Lehm für den Bau natürlicher Nester holen können. Seit 2024 führt die NABU Hochschulgruppe jährlich eine Nesterkartierung an der gesamten Universität durch, um zu verfolgen, wie sich der Schwalben-Bestand entwickelt.
Insgesamt 28 Brutpaare wurden bei der ersten Kartierung 2024 gezählt, davon acht in den damals vorhandenen Kunstnestern sowie 20 in selbstgebauten Naturnestern. Alle Paare brüteten an den Gebäuden B, L und K. Für die darauffolgende Brutsaison 2025 wurden aufgrund bevorstehender Baumaßnahmen 24 künstliche Nisthilfen an der Fassade des L-Gebäudes angebracht. Trotz eines gestiegenen Nistplatzangebots sank die Brutpaaranzahl von 28 auf 23.
Der Grund für den starken Rückgang lag vermutlich an einem überraschenden Kälteeinbruch mit viel Starkregen im Herbst des Vorjahres, der Tausenden von Schwalben das Leben kostete. Erfreulicherweise sei die Anzahl der Brutpaare im Jahr 2026 wieder auf 33 gestiegen, so die Mitglieder der NABU Hochschulgruppe. Achtzehn Paare brüteten dabei in Naturnestern und fünfzehn in den künstlichen Nisthilfen. Auch von den 2025 angebrachten Nisthilfen wurden acht bereits beflogen.
„Diese Entwicklung macht Hoffnung, dass Mehlschwalben von gezielten Maßnahmen wie dem Anbringen künstlicher Nisthilfen profitieren. Wir werden in Zukunft die angelegten Lehmpfützen weiter pflegen und die jährlichen Kartierungen fortführen, so dass die Mehlschwalben auch in Zukunft als Frühlingsboten auf dem Campus erhalten bleiben.“
Alexander Köhler von der NABU Hochschulgruppe
NABU-Hochschulgruppe
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Titelbild: Zwei künstliche angelegte Schwalbennester. Sie dienen als Ersatz für Nistplätze, die während einer Gebäudesanierung zu Schaden gekommen sind.
